Plötzlich Familie - Das Geheimnis der 600 Geschwister
Shownotes
Ein Anwalt lernt durch Zufall seinen Halbbruder kennen. Doch damit beginnt die Geschichte erst. Ihre Reise führt sie zu einer umstrittenen Kinderwunschklinik im England der 50er-Jahre. Gemeinsam stoßen die Halbbrüder auf ein lang verborgenes Familiengeheimnis und entdecken, dass sie möglicherweise nicht nur ein paar, sondern hunderte Geschwister haben. Eine Folge über Herkunft, Identität und die Frage: Wie gut kennen wir eigentlich unsere eigene Familie?
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00:00:01: Wie gut kennen wir eigentlich unsere Familie?
00:00:04: Die meisten von uns glauben bestens Bescheid zu wissen, wer alles dazugehört.
00:00:08: Doch was passiert wenn ein schlichter Zufall das Ganze in Frage stellt?
00:00:12: Wie die Geschichte eines Anwalts der zufällig seinen Halbbruder traf und danach von sechshundert weiteren Geschwistern erfuhr?
00:00:19: Der Beginn einer abenteuerlichen Familiengeschichte.
00:00:22: Nichts ist unmöglich Und manchmal passiert völlig ungeplant Etwas ganz großes.
00:00:29: Dieser Podcast erzählt solche Geschichten aus dem wahren Leben.
00:00:33: Das ist
00:00:34: Zufall,
00:00:35: wenn ein Moment alles verändert!
00:00:39: Diesmal plötzlich Familie – das Geheimnis der sechshundert Geschwister.
00:00:51: Dieser Tag sollte sich fest in die Erinnerung von David Golland einbrennen.
00:00:56: Er war gerade mal zwölf Jahre alt als sein Vater ihn eines Abends mit Ernstermine zur Seite nahm.
00:01:02: Junge wir müssen reden.
00:01:04: Hatte er irgendetwas
00:01:05: angestellt?
00:01:06: David war sicher kein Unschulzlamm und immer für einen Streich zu haben.
00:01:10: In letzter Zeit hatte er aber nichts ausgefressen, außerdem ließ der angespannte Gesichtsausdruck seines alten Herrn vermuten dass es um etwas anderes ging.
00:01:19: Etwas das sich nicht leicht in Worte fassen lässt.
00:01:23: Schweigend saßen beide auf dem Bett im Davids Kinderzimmer.
00:01:27: Endlich begann sein Vater zu reden.
00:01:30: Ich bin zwar dein Papa Aber nicht im biologischen Sinn.
00:01:34: Bitte
00:01:34: was?!
00:01:35: Der Junge verstand das alles nicht so ganz.
00:01:38: Sein Vater erzählte daraufhin, wie er und seine Frau unbedingt Kinder haben wollten – es jahrelang versucht hatten und schließlich erfuhren, dass er unfruchtbar sei!
00:01:47: Sie standen vor der schwierigen Entscheidung, kinderlos zu bleiben oder alternative Methoden in Betracht zu ziehen.
00:01:54: Davids Eltern beschlossen eine Fruchtbarkeitsklinik aufzusuchen.
00:01:58: Er war also durch eine Samenspende entstanden.
00:02:04: Und zwar einer die sich nicht zurückverfolgen ließ….
00:02:07: Die Behandlung erfolgte Anfang der Fünftiger und Davids Eltern hatten sämtliche Unterlagen entsorgt.
00:02:13: Sie wussten nur, dass die Klinik in der Londoner Harley Street stand – das war alles!
00:02:17: Irgendwo da draußen lief also ein Kerl herum, der Davids biologischer Vater war und nicht mal davon wusste.
00:02:25: Der Junge hatte das Gefühl, dass sein bisheriges Leben auseinandergerissen und komplett neu zusammengesetzt wurde.
00:02:30: Ihm war es schon immer so vorgekommen als ob er nicht ganz in seine Familie passte….
00:02:35: Jetzt hatte er endlich eine Erklärung dafür.
00:02:38: Dennoch war er stinksauer!
00:02:40: David musste das erst mal verdauen, dass er noch weitere Geschwister haben könnte kam ihm zunächst nicht in den Sinn.
00:02:47: Das volle Ausmaß sollte erst Jahrzehnte später ans Tageslicht kommen – durch einen Zufall.
00:02:57: David Golland wurde an Wald und setzte sich für die Rechte von Menschen ein, die durch eine Samenspende gezeugt wurden.
00:03:03: Sein Hauptanliegen?
00:03:04: Die Anonymität der Spender sollte aufgehoben werden.
00:03:08: In vielen Ländern ist das heutzutage gesetzlich verankert, Mitte der Neunziger allerdings gab es dazu keine Regelung.
00:03:14: David besuchte damals eine Menge Konferenzen, hielt Vorträge und trat im Fernsehen auf.
00:03:20: Seine Botschaft war stets die gleiche – ein jeder Mensch hat das Recht über seine Abstammung Bescheid zu wissen!
00:03:36: vom Urknall, der Sinn flut bis hin zu Familienmüten.
00:03:40: Unsere Identität wird geformt indem uns erzählt wird dass wir bestimmte Vorfahren ähneln und in dem uns ebenfalls durch das Erzählen von Geschichten familiäre Werte vermittelt werden.
00:03:51: Das Recht alles über die eigene Herkunft zu erfahren sollte als eine der Voraussetzungen für eine menschenwürdige Gesellschaft betrachtet werden.
00:03:59: Es ist das Recht, nicht vorsätzlich über die wesentlichen Aspekte der eigenen persönlichen Geschichte getäuscht zu werden.
00:04:08: Eines Tages meldete sich ein Bekannter bei ihm.
00:04:11: Der Mann engagierte sich für die gleichen Ziele wie David.
00:04:14: Die beiden hatten gelegentlich zusammengearbeitet.
00:04:17: Vor kurzem erzählte sein Bekanter habe er Urlaub in Vancouver gemacht an der Westküste Kanadas.
00:04:23: In seinem Hotel war er mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die ebenfalls durch künstliche Befruchtung gezeigt wurde.
00:04:30: Auch sie hatte keinerlei Anhaltspunkte, wer ihr Vater war.
00:04:34: Wie bei den meisten leider, mummelde David.
00:04:37: Doch sein Bekannter war noch nicht fertig!
00:04:39: Die Frau hatte einen Bruder der ebenso dank einer Samenspende entstanden war – ein kanadischer Filmemacher namens Barry Stevens.
00:04:47: Den Bekannten war aufgefallen, dass er genau den gleichen trockenen Humor wie David hatte und einen ganz ähnlichen Schreibstil.
00:04:54: Vielleicht waren die beiden ja verwandt?
00:04:57: Der Anwalt glaubte nicht an solche Zufälle.
00:05:00: Noch dazu, wo er Engländer war und besagter Filmemacher ein Kanadier – ausgeschlossen!
00:05:05: Trotzdem nahm er Kontakt mit Barry Stevens auf.
00:05:08: Da er ohnehin einen Familienurlaub in Kanada plante, nutzte er die Gelegenheit um sich mit dem Filmemahrer zu treffen.
00:05:18: Die beiden verstanden sich auf Anhieb.
00:05:20: Aus einem kurzen Gespräch im Café wurde ein ganzer Abend.
00:05:24: Irgendwann meinte Stevens, außer einem Jux, dass sie einen DNA-Test machen sollten….
00:05:29: Es war nur Spaß, doch der Gedanke ließ sie nicht mehr los.
00:05:33: Kurze Zeit später setzten Sie Ihre Idee in die Tat um und staunten nicht schlecht!
00:05:39: Sie waren nicht einfach nur verwandt – ihre Y-Kromosomen waren nahezu identisch.
00:05:44: David & Barry waren Halbrüder.
00:05:50: Der Start einer abenteuerlichen Spurensuche.
00:05:53: David hatte als einzigen Anhaltspunkt das die Fruchtbarkeitsklinik in der Harley Street in London stand.
00:05:59: Barry dagegen wusste von seiner Mutter lediglich, dass sie sich in London hatte behandeln lassen.
00:06:04: Er durchsuchte daraufhin Bibliotheken und Archive, prüfte medizinische Register und befragte Ärzte die eventuell etwas wissen könnten.
00:06:13: Alles andere als einfach!
00:06:15: In den fünftiger Jahren war die Samenspende noch höchst umstritten.
00:06:18: Die Behandlung steckte noch in den Kinderschuhen Und galt als gesellschaftliches
00:06:22: Tabu.
00:06:24: Wir müssen – und ich glaube dieses Land wird diesen Einfall des Beelzebub mit Entsetzen zurückweisen.
00:06:31: Forderte ein britischer Politiker damals lautstark und auch der Erzbischof von Canterbury wetterte gegen die Samenspende.
00:06:39: Wer seinen Patienten dennoch eine solche Behandlung anbot, muss der höchste Diskretion waren.
00:06:44: Daher wurden viele Unterlagen vernichtet oder gar nicht erst angefertigt.
00:06:49: Trotzdem fand Barry Stevens einige wichtige Hinweise.
00:06:53: Die Klinik in der Harley Street wurde von einem Ehepaar betrieben Dr.
00:06:56: Mary Barton, eine Ärztin und ihr Mann der Biologe Bertolt Wiesner.
00:07:02: Woher die Samen zur künstlichen Befruchtung stammten, hielt das Ehepaar geheim – gemunkelt wurde allerdings dass Wiesler selbst einer der Spender war!
00:07:13: Eine vielversprechende Spur.
00:07:15: Das Problem?
00:07:15: Der Wissenschaftler war bereits seit vielen Jahren tot und auch seine Frau lebte nicht mehr.
00:07:20: Eine DNA-Probe war ausgeschlossen Doch glücklicherweise hatte Wiesna auch ehrliche Kinder.
00:07:26: Also reisten David und Barry nach Suffolk zu Jonathan Wiesner, dem Sohn des Biologen.
00:07:33: Mein Gott!
00:07:34: Du siehst ihm ja ähnlicher als
00:07:35: ich!".
00:07:36: Das waren seine ersten Worte bei der Begrüßung gerichtet an Barry Stevens.
00:07:41: Jonathan kramte schnell ein Foto seines Vaters hervor.
00:07:45: Tatsächlich – das verschmitzte Lächeln die scharf geschnittene Nase, die Brille… Die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen... Ein DNA-Test sollte für Gewissheit sorgen.
00:07:57: Jonathan Wiesner hatte dankenswerterweise kein Problem damit und das Ergebnis war eindeutig.
00:08:02: David und Barry waren die Söhne von Berthold Wiesener, und damit Johnithans Halbrüder – nicht die einzigen wie sich später herausstellte!
00:08:12: Doch wer war eigentlich dieser Mann?
00:08:18: Geboren wurde Bertholt Wiesnern in Niederösterreich.
00:08:22: Mitte der Zwanziger siedelte er nach Großbritannien um wo er sich vor allem mit der Sexualphysiologie beschäftigte.
00:08:28: Er führte Schwangerschaftstests durch, forschte an Verhütungsmitteln und untersuchte Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung.
00:08:36: Das brachte ihn wiederum in Kontakt mit Dr.
00:08:38: Mary Barton seiner späteren Frau.
00:08:41: Die Ärztin hatte bereits einige Erfolge auf diesem Gebiet erzielt und später eine Kinderwunschklinik gegründet.
00:08:47: Anfang der Vierziger begann Bertolt Wiesner dort seine Tätigkeit.
00:08:51: Gemeinsam mit seiner Frau überwachte er die Eingriffe, führten Untersuchungen durch und wertete Daten aus.
00:08:58: Etwa ´tausend Fünfhundert künstliche Befruchtungen sollen dabei zustande gekommen sein.
00:09:03: Was die wenigsten Patienten wussten, ein Großteil der Samenspenden stammte von Berthold Wiesner selbst.
00:09:10: Da sich in dieser Zeit kaum geeignete Spender finden ließen, hatte der Biologe einfach Selbsthand angelegt – mit erheblichen Folgen!
00:09:22: Nach ihrer Entdeckung drehten Barry Stevens und David Garland einen Dokumentarfilm namens Offspring zu Deutsch Nachkomme.
00:09:30: Daraufhin meldeten sich achtzehn Menschen, die ebenfalls glaubten von Wiesner abzustammen.
00:09:35: Bei zwölf davon wurde dies dank eines DNA-Tests bestätigt.
00:09:40: Dabei sollte es nicht bleiben – im Laufe der Jahre wurden mehr als dreißig weitere Nachkommen Wiesners identifiziert.
00:09:47: Die Dunkelziffer ist allerdings viel höher!
00:09:50: David Gollansch hatte es selbst ausgerechnet.
00:09:53: Wiesler könnte pro Jahr zwanzig bis dreißzigmal Samen gespendet haben und das etwa fünfundzwanzig Jahre lang.
00:09:59: Selbst wenn man davon ausgeht, dass nicht jede künstliche Befruchtung ein Erfolg war bleiben trotzdem bis zu sechshundert mögliche Kinder die Wiesner gezeugt haben könnte.
00:10:10: Sechshundthalb Geschwister – Die größte Familie der Welt.
00:10:17: Für die Betroffenen war es eine große Erleichterung das dieses Geheimnis endlich gelüftet war noch dazu wo sich die meisten von ihnen bestens verstanden.
00:10:26: Bertolt Wiesner soll ein Lebemann gewesen sein, seine Nachkommensschienen seien fable für Geselligkeit und gute Partys geerbt zu haben.
00:10:34: Dennoch blieb an mulmiges Gefühl.
00:10:37: Sechshundert Geschwister – was wenn einige von ihnen geheiratet hatten ja sogar Kinder bekommen haben ohne von ihrer Verwandtschaft zu wissen?
00:10:45: Auch wenn Wiesnawohl die besten Absichten hatte war sein Verhalten recht verantwortungslos!
00:10:51: Aus diesem Grund werden immer wieder strenge Regeln gefordert.
00:10:54: In Deutschland haben sich viele Samenbanken darauf geeinigt, eine Grenze einzuhalten.
00:10:58: Nicht mehr als fünfzehn Familien pro Spender!
00:11:02: Rechtlich verankert ist das allerdings nicht.
00:11:05: David Golland und Barry Stevens machen sich bis heute stark für dieses Thema und sind nach wie vor auf der Suche nach weiteren Geschwistern.
00:11:16: Viele der Nachkommen Wiesners treffen sich regelmäßig für gemeinsame Unternehmungen.
00:11:21: Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt einer so eigenartige Familiengeschichte zu haben.
00:11:28: Das Wiesnassverhalten ethisch fragwürdig war, darüber sind sie seine Kinder einig.
00:11:32: Doch Sie sind auch dankbar darüber dass sie sich gegenseitig gefunden haben.
00:11:36: David Gollansch meinte einmal das er am liebsten mit all seinen Geschwistern eine riesengroße Party feiern würde.
00:11:43: Vermutlich hätte das auch seinem geselligen Vater gefallen.
00:11:50: was als Begegnung zwischen zwei Menschen begann entpuppte sich als eine der außergewöhnlichsten Familiengeschichten
00:11:56: und
00:11:57: sie erinnert uns daran.
00:11:58: Hinter jedem Stammbaum können Geschichten stecken, von denen niemand wusste.
00:12:03: Bis ein Zufall sie ans Licht
00:12:18: bringt!
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