Kosmische Zufallsfunde: Ein neuer Planet und das Echo des Urknalls

Shownotes

Manchmal läuft es einfach anders als geplant. So entdeckte ein Hobby-Astronom mit seinem selbstgebauten Teleskop einen neuen Planeten. Und zwei Forscher ärgerten sich über ein nerviges Rauschen auf der Antenne, vermuteten Taubenmist als Grund, doch stattdessen lieferten sie den Beweis der Big Bang Theorie. EIne Folge über große Entdeckungen im Weltraum, die ganz unverhofft gemacht wurden.

Vielen Dank an Dr. Torsten Enßlin für seine Expertise. Der Astrophysiker arbeitet am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching und ist auch am Deutschen Zentrum für Astrophysik tätig, welches derzeit in Görlitz entsteht.

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00:00:00: Manchmal findet man etwas Großes, obwohl man überhaupt nicht danach gesucht hat.

00:00:05: Auf diese Weise hat ein Hobby-Astronom ganz nebenbei einen neuen Planeten entdeckt und zwei Wissenschaftler machten einen Nobelpreiswürdigen Fund, obwohl sie eigentlich nur ein lästiges Antennenrauschen beseitigen wollten.

00:00:17: Das Universum hält eine Menge Überraschung bereit – genau darum geht's in dieser Folge!

00:00:30: Dieser Podcast erzählt solche Geschichten aus dem wahren

00:00:34: Leben.

00:00:34: Das ist

00:00:35: Zufall,

00:00:36: wenn ein

00:00:37: Moment

00:00:38: alles verändert!

00:00:40: Diesmal kosmische Zufallsfunde

00:00:42: –

00:00:43: Ein neuer Planets und das Echo des Urknalls.

00:00:52: Die Nacht des dreizehnten März, siebzehnhundertundachtzig war Sternen klar.

00:00:57: Keine einzige Wolke am Himmel.

00:01:00: Für Friedrich Wilhelm Herrschl waren das die perfekten Bedingungen.

00:01:04: Man hätte meinen können, als Organist und Konzertdirektor in der englischen Stadt Baas wäre er schon reichlich ausgelastet gewesen.

00:01:11: Doch nein!

00:01:12: Der Musiker hatte sich einer weiteren Sache verschrieben – dem Studium der Astronomie.

00:01:17: Und so verbrachte Herrschel die Nächte —sofern es das Wetter zuließ—in seinem Garten und beobachtete den Himmel.

00:01:24: Ich beschloss jeden Stern am Himmel mit der größten Aufmerksamkeit zu untersuchen.

00:01:29: Solche Beobachtungen müssen unvermeidlich zur neuen Entdeckung entführen

00:01:34: Schrieb Herrschl in seinen Tagebuch.

00:01:37: Er sollte recht behalten und tatsächlich auf etwas Großes stoßen, obwohl er ein absoluter Autodidakt war.

00:01:46: Seine Karriere hatte er als Militärmusiker begonnen – im achtzehnten Jahrhundert einen durchaus respektable Beruf.

00:01:53: Als junger Mann diente er im Hannoverischen Garderegiment und unterstand somit Kurfürst Georg

00:01:59: II.,

00:02:00: der regierte damals auch in Großbritannien und Irland.

00:02:03: Durch diese Verbindung kam Herrschel mit der englischen Sprache und Kultur in Berührung, und zog schließlich selbst nach England.

00:02:10: Die Kriegswirren in seiner Heimat waren ihm einfach zu viel geworden!

00:02:15: Er schlug sich als Notenkopist- und Musiklehrer durch, übernahm erneut eine Militärkapelle und machte sich einen Namen als Komponist und Dirigent.

00:02:23: Keine Frage – Herrschell kam viel rum.

00:02:27: Dabei lernte er auch den Philosophen David Hume kennen, der ihn für ein großes Thema begeistern konnte Wie ist das Universum aufgebaut?

00:02:38: Herrschel wurde zum Bücher wurm.

00:02:40: Egal welches Werk über Philosophie, Sternenkunde und Mathematik er in die Finger bekam – er verschlang es!

00:02:47: Außerdem schaffte er sich astronomische Instrumente und mathematische Tabellen an und mietete natürlich auch ein Teleskop.

00:02:55: Doch das reichte ihm nicht.

00:02:57: Weil er mit den damals gängigen Modellen unzufrieden war, begann er seine eigenen Teleskope zu bauen.

00:03:03: Nächte lang polierte er dafür die selbstgegossenen Metallspiegel.

00:03:07: Eine mühsame Kleinarbeit, die sich bezahlt machte!

00:03:11: Andere Astronomen kauften ihm die Teleskope ab und er selbst war in der Lage, detaillierte Zeichnungen des Fixstern-Himmels zu erstellen.

00:03:19: Seine Schwester Karoline Lucrezia, die er ein paar Jahre zuvor nach England geholt hatte, assistierte ihm dabei – wie in jener Nacht im März.

00:03:33: Eigentlich wollte er nur das Sternbild Zwillinge untersuchen.

00:03:36: Doch was war das?

00:03:38: Ein ungewöhnlicher Lichtpunkt, der sich auch noch zu bewegen schien!

00:03:43: Ein

00:03:43: Komet?!

00:03:45: Davon gingen Herrschl und seine Schwester zunächst aus.

00:03:47: Doch nachdem sie das Gestirn ein paar weitere Nächte beobachtet hatten, war klar... Herrschel hatte keinen Schweifstern entdeckt sondern einen ganzen Planeten in unserem Sonnensystem.

00:04:00: Das sorgte für Furore.

00:04:03: Bis dato war die Wissenschaft von sechs Planeten im Sonnensystem ausgegangen.

00:04:07: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter und Saturn – sie alle waren mit bloßem Auge sichtbar und schon seit der Antike bekannt!

00:04:16: Dieser neue Planet jedoch war der erste, der mit einem Teleskop entdeckt wurde.

00:04:21: Spätestens jetzt galten technische Instrumente nicht nur als teure Spielzeuge sondern wichtige Apparate in der Forschung.

00:04:28: Außerdem stellte die Entdeckung des Planeten eine damalige Annahme auf den Kopf Seine Umlaufbahn liegt doppelt so weit entfernt von der Sonne wie die des Saturn.

00:04:38: Damit war das Ausmaß des Sonnensystems zweimal so groß wie angenommen und Friedrich Wilhelm Herrschel, der war schlagartig berühmt.

00:04:50: Die Royal Society Großbritanniens Gelehrtengesellschaft verlieh Herrschl ihre höchste Auszeichnung Und der König von England sagte ihm eine stattliche Pension von zwei Hundert Pfund pro Jahr zu Seinen Job.

00:05:02: als Konzertdirektor konnte er damit getrost an den Nagel hängen und sich ganz der Astronomie widmen.

00:05:09: Seine Planeten benannte Herrschl übrigens zu Ehren des Königs Georgium Sidus, Geoxgestern.

00:05:15: Später wurde der Himmelskörper allerdings wie die anderen Planeten nach der römisch-griechischen Mythologie in Uranus umgetauft.

00:05:24: Und Herrschls Schwester Karolin?

00:05:26: Die war zwar an der Entdeckung beteiligt ging aber leer aus.

00:05:30: Eine Namen konnte sie sich trotzdem machen.

00:05:32: So entdeckte sie später etliche Kometen und fertigte detaillierte Sternenkataloge an.

00:05:38: Die Royal Society ernannte sie schließlich zum Ehrenmitglied, und verlieh ihr die Goldmedaille – die erste Frau der diese Ehre zuteil

00:05:46: wurde!

00:05:50: In der Astronomie gibt es eine Menge Zufallsentdeckungen und ist noch längst nicht alles erforscht.

00:05:56: Kein Wunder wenn man bedenkt wie unermesslich groß das Universum.

00:06:00: Da kann eine vermeintliche Störung durch Taubendreck auch schon mal zu einer bahnbrechenden Erkenntnis führen, wie in der nächsten Geschichte die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung.

00:06:28: Dort waren sie unter anderem damit beschäftigt, mit einer großen Radio-Antenne den Himmel zu untersuchen.

00:06:35: Durch ihre Messungen wollten Sie die damals noch recht neue Satellitentechnik verbessern und gleich noch die gesammelten Daten für die Doktorarbeiten nutzen.

00:06:43: Doch irgendetwas stürte die Messungen!

00:06:47: Ein pausenloses Rauschen und Zischen, das sich einfach nicht ausschalten ließ... wie nervig.

00:06:55: Die beiden Wissenschaftler checkten alle Gerätschaften und überprüften die Leitungen mehrfach.

00:07:01: Keine Besserung, obwohl die Bauteile einwandfrei funktionierten.

00:07:05: Lag es vielleicht an der Erdatmosphäre?

00:07:08: Einem fremden Planeten?

00:07:09: oder waren sogar militärische Aktivitäten auf der Erde daran schuld?

00:07:13: All diese Fehler konnten sie ausschließen – denn das Rauschen schien aus keiner bestimmten Richtung zu kommen!

00:07:18: Im Gegenteil….

00:07:20: Es kam von überall vom gesamten Himmel und zwar gleich stark Wie seltsam.

00:07:26: Pancius und Wilson kletterten sogar auf die große Horn-Antenne des Labors, und vertrieben ein Taubenpaar das ich dort eingenistet hatte.

00:07:34: Vielleicht waren ja die Vögel schuld und der ganze Mist den sie auf der Antenne hinterlassen hatten?

00:07:40: Doch selbst nach einer gründlichen Reinigung war es noch da – das mysteriöse Rauschen!

00:07:46: Nie im Leben hätten die beiden Physiker damit gerechnet dass genau das ihnen mal die Nobelpreis einbringen würde.

00:07:56: Fast ein ganzes Jahr verging Pancius und Wilson wussten noch immer nicht so recht, was es mit dem Signal auf sich hatte.

00:08:03: Erst mal ignorieren dachten sie sich – Sie hatten ohnehin genug andere Aufgaben auf dem Schreibtisch!

00:08:09: Doch wie es der Zufall so wollte lag die Lösung des Problems viel näher als gedacht nur ein paar Kilometer entfernt in der Princeton University Denn dort suchten ein paar Wissenschaftler genau nach diesem Rauschen kamen aber einfach nicht weiter.

00:08:25: Eine Art Echo des Urknalls Die kosmische Hintergrundstrahlung.

00:08:33: Was genau versteht man darunter?

00:08:35: Wir haben Dr.

00:08:36: Thorsten Ensling vom Max-Planck-Institut für Astrophysik gesprochen.

00:09:01: durch das Universum strömt.

00:09:03: Nicht ganz zum Anfang, aber einem Zeitpunkt recht nahe – es ist ein Überbleibse des sehr heißen ursprünglichen Anfangs des Universums als das Universium viel kleiner und dichter und damit auch heißer war als

00:09:19: heute.".

00:09:20: Mit anderen Worten?

00:09:22: Die kosmische Hintergrundstrahlung ist der Beweis dass die Urknalltheorie tatsächlich stimmt!

00:09:27: Big Bang, Der große Knall, die Entstehung von Raum und Zeit.

00:09:31: Zunächst war das Universum extrem heiß und jegliche Strahlung im Urplasmag gefangen.

00:09:37: Doch ab einem gewissen Punkt veränderten sich die Gegebenheiten, und das Licht hatte freie Bahn.

00:09:42: Als das Licht was heute ungefähr drei Kelvin hat, hatte damals dreitausend Kelvin.

00:09:48: Also damals war es fast so heiß wie die Sonnenoberfläche als das Licht ausgesandt wurde.

00:09:55: vor diesem Zeitpunkt weil das Universums undurchsicht liegt Und das Licht konnte sich nicht über große Strecken ausbereiten.

00:10:01: dann wurde ständig gestreut, bis halt zu dem Zeitpunkt etwa dreihunderttausend Jahre nach dem Urknall als das Universum durchsichtig wurde.

00:10:11: Ab den Zeitpunkt konnte es nicht gerade aus weiterfliegen und was wir heute sehen in dem Licht, was bei uns ankommt ist halt nicht etwas seit dreizehn Komma acht Milliarden Jahren auf fast geraden Weg zu uns geflogen ist und zufällig bei uns vorbeikommt.

00:10:30: Die kosmische Hintergrundstrahlung ist somit das älteste messbare Signal im Weltall.

00:10:36: Da sich das Universum stetig ausdehnt, hat sich auch die Wellenlänge dieses Lichts geändert.

00:10:41: Was zuerst sichtbar war, wurde langsam zu Infrarotwellen und schließlich zu Mikrowellen.

00:10:46: Gleichzeitig kühlte das Licht deutlich ab!

00:10:49: Vertreter der Urknalltheorie hatten schon lange vermutet dass es dieses Überbleibsel aus den Frühdagen des Universums geben musste – eine Art Babyfoto im zarten Alter von dreihundert-achtzigtausend Jahren.

00:11:02: Sie hatten sogar ausgerechnet, wie kalt dieses Licht mittlerweile sein könnte!

00:11:06: Nur wo sie danach suchen sollten?

00:11:08: Das wussten sie nicht.

00:11:12: Pensius und Wilson waren also auf etwas Großes gestoßen.

00:11:16: Sie mussten nur noch eins und eins zusammenzählen.

00:11:19: Von einem Bekannten erfuhren sie woran an der Princeton University geforscht wurde.

00:11:24: Der Urknall war nicht unbedingt das Fachgebiet der beiden doch bei einer Sache wurden sie hellhörig Die Theorie einer uralten Strahlung.

00:11:34: Pancius und Wilson dämmerte, dass ihre Entdeckung vielleicht wichtiger war als angenommen.

00:11:39: Sie nahmen Kontakt auf und bluten die Prinzenwissenschaftler zu sich in die Bell-Telefonlaboratories ein.

00:11:46: Gemeinsam lauschten sie dem Mysteriösen Rauschen.

00:11:51: Kein Zweifel!

00:11:52: Das war er – der langersehnte Beweis.

00:11:56: Die Urknalltheorie konnte endlich belegt werden.

00:11:59: Die Männer aus Princeton schwebten im siebten Himmel.

00:12:02: Und auch Pancius und Wilson hätten vor Freude an die Decke springen können!

00:12:08: Die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung gilt heute als Meilenstein der Naturwissenschaft.

00:12:14: Sie offenbart uns einen Blick in die Frühzeit des Universums, und hilft dabei, die Zusammensetzung des Kosmos zu bestimmen.

00:12:21: Dr.

00:12:21: Thorsten Enslin erklärt wie genau...

00:12:28: Aber das ist auch im Universum eine endliche Geschwindigkeit.

00:12:32: Das heißt, wenn ich einen Ort habe der ein Lichtjahr entfernt ist dann braucht es nicht einen Jahr zu mir und ich sehe diesen Ort, wenn das nicht bei mir ankommt wie dieser Ort vor einem Jahr war.

00:12:46: Wenn ich jetzt einen Ort hab der von dreizehn Komma sieben Milliarden Jahren war, dann ist das Licht so lange gereist und ich seh den Zustand der Materie die das Licht ausgesandt hat für diesem Zeitpunkt.

00:12:59: dann wurde gesehen, dass die Strahlung aus einer Richtung des Himmels doch ein bisschen wärmer ist als die andere.

00:13:07: Wenn man sehr empfindlich misst sieht man dann diese kleinen hunderttausend Grad-Variationen in den verschiedenen Richtungen und unsere Kenntnis das Allgätsesuniversum zum Beispiel basiert auf solchen Vergleichen.

00:13:22: Unsere heutigen Annahmen über die Zusammensetzung des Universums, wie viel dunkle Materie gibt es?

00:13:28: Wie viele gewöhnliche Materie?

00:13:30: Wie für Strahlung basiert auf diesen Messungen.

00:13:35: Also wir konnten sehr viele Eigenschaften des Universum durch eine detaillierte Vermessung dieser Strahlungen

00:13:41: bestimmen.".

00:13:52: Bis heute wird die kosmische Hintergrundstrahlung erforscht und hält sicher noch die ein oder andere Überraschung bereit.

00:14:03: Oft

00:14:04: lohnt sich also ein zweiter Blick, selbst unscheinbare Beobachtungen können unser Weltbild auf den Kopf stellen.

00:14:10: Manchmal braucht es nichts weiter als ein bisschen Neugier und eine ordentliche Portion Zufall – langweilig wird's im Universum jedenfalls nicht!

00:14:22: Zufall, wenn ein Moment

00:14:24: alles verändert.

00:14:25: Recherchiert und produziert von Carsten Richter erzählt von Peggy Schmidt & Timon Kammerer Ein Original-Podcast von RegioCast Deutsches Radio Unternehmen.

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